New Reality. AR und VR in Logistik und Instandhaltung

KONTAKT

Dr. Tobias Wienzek, Sozialforschungsstelle | Technische Universität Dortmund
tobias.wienzek@tu-dortmund.de

Technologie

VIRTUELLE ARBEITSUMGEBUNGEN UNTERSTÜTZEN ERFOLGREICHE ARBEITSPROZESSE

Digitale Realitäten wie Augmented Reality (AR) oder Virtual Reality (VR) haben mit der fortschreitenden Digitalisierung vermehrt Einzug in betriebliche Abläufe und Arbeitsprozesse gefunden. Insbesondere in Bereichen der Logistik und Instandhaltung (Verpacken, Palettieren, Störungsbeseitigung) werden solche Technologien zunehmend genutzt, um Arbeitsprozesse zu optimieren und Beschäftigte in der Arbeit zu unterstützen. Dabei sind die Ausprägungen und der Grad der Nutzung auf der betrieblichen Ebene sehr unterschiedlich.

In der virtuellen Lernreise Logistik der TU Dortmund wurde auf verschiedene Ausgestaltungen der digitalen Technologien eingegangen. Ziel der Lernreise war der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis über mögliche Anwendungsfelder neuer Technologien anhand konkreter Beispiele im täglichen Arbeitseinsatz.

Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund stellte entlang zahlreicher Beispiele (u.a. Assistenzsystem ‚Mika‘ oder FTS) Möglichkeiten zur Unterstützung von logistischen Arbeitsprozessen durch AR vor. Im Anschluss gab das Unternehmen Belfor DeHaDe einen praxisnahen Einblick in die betriebliche Nutzung einer Datenbrille im täglichen Arbeitseinsatz in der Instandhaltung.

Entwicklung

AUGMENTED REALITY IN DER LOGISTIK - FALLBEISPIELE

In zahlreichen Bereichen der Verpackung und Kommissionierung in der Logistik sind AR Systeme aktuell bereits in der Anwendung und bieten Vorteile bspw. in der Auslastung von Stellplätzen oder bei der Navigation durch Lagerflächen. Mitarbeitende des IML schilderten an einem Praxisbeispiel eines Unternehmens der Fördertechnik die Einbindung der AR-Systeme in den regulären Arbeitsablauf in der WzP-Kommissionierung.

Befragungen der Beschäftigten zur kognitiven Ergonomie zeigten dabei noch Verbesserungspotenziale der AR-Nutzung: Eine dauerhafte Nutzung von AR Brillen könne belastend sein.

 

 

AR-Anwendungen sind zudem kostenintensiver als andere Methoden. Andererseits wiesen Beschäftige in Befragungen des Instituts auch auf die Vorzüge (einfache Handhabung, schnellere Einarbeitungszeit) der Nutzung „klassischer“ Methoden (Scannen, PC-Terminal) hin. Darüber hinaus wurden technische Hürden und Akzeptanzprobleme bei der Einführung und Nutzung solcher Technologien von den Teilnehmenden diskutiert.

DATENBRILLEN IM EINSATZ BEI BELFOR: AUF KURS MIT DEM KOMPASS DIGITALISIERUNG

Im weiteren Verlauf wurde durch das Ch@nge Ruhr Projektteam das eigene Projekt und der von der IG Metall, RIF e.V. und der Sozialforschungsstelle Dortmund entwickelte Kompass Digitalisierung mit Bausteinen und betrieblicher Umsetzung vorgestellt. Am Beispiel der Einführung von Datenbrillen bei dem Unternehmen Belfor DeHaDe wurde gezeigt, wie der Kompass zur grundsätzlichen Bewertung und Abschätzung der Arbeitsfolgen genutzt werden kann, um die Einführung vorausschauend vorzubereiten, mögliche Herausforderungen zu identifizieren und Mitarbeitende frühzeitig einzubeziehen. Das Unternehmen hat die Einführung und Nutzung von Datenbrillen vorangetrieben, um bei wechselnden Aufgaben und Personen den Reparaturprozess digital zu unterstützen und anzuleiten (siehe auch https://ellaviernull.de). Die Beschäftigten können über eine Remote-Verbindung Zugriff auf die bisherigen Schritte der Reparatur erlangen und auf eine Datenbank zugreifen. Damit können bei den anfallenden Reparaturen Leitfäden, Zeichnungen, Daten und bisherige Erfahrungen zu den unterschiedlichen Typen der Maschinen abgerufen werden.

Die digitale Darstellung erlaubt es, schnell und effektiv zu suchen und mit bisherigen Erfahrungen zu verknüpfen. Aufwändige schriftliche Dokumentationen (papierhaft) können entfallen bzw. sind für alle denkbaren Maschinentypen in der Datenbank abrufbar. Komplexe und belastende Suchvorgänge werden reduziert und Beschäftige haben die Möglichkeit, beispielsweise vor Ort im Kundenbetrieb schneller Fehler einzugrenzen. Gleichzeitig kann die Kommunikation mit dem Kunden transparenter und effektiver gestaltet werden.

Die konkrete Umsetzung einer solchen digitalen Lösung ist jedoch nicht unproblematisch und im Einführungsprozess voraussetzungsvoll. So war die Erstellung, Füllung und Pflege der Datenbank eine große Herausforderung für das Unternehmen. Darüber hinaus ist die Nutzung der Datenbrille nicht in allen Fällen akzeptiert: Zwar waren die EDV-Anforderungen für die Nutzung der Brille gering, dennoch äußerte sich Skepsis auf Seiten der Mitarbeitenden hinsichtlich der individuellen Voraussetzungen. Hier unterstützte der Kompass Digitalisierung bereits in der Einführungsphase, da er die Auswirkungen auf die Beschäftigten verdeutlichte und es ermöglichte, die betreffenden Gruppen und ihre Interessen durch Informationsveranstaltungen und Workshops gezielt einzubinden. Gleichzeitig wies der Kompass auf zu gestaltende Bereiche hin, die das Unternehmen zunächst nicht im Blick hatte. So wurden vor allem die zukünftigen Anwender der Datenbrille in den Auswahlprozess einbezogen und regelmäßig in Feedbackrunden zu den Erfahrungen befragt. Die Anwendung des Kompasses zur arbeitsorientierten Betrachtung einer Digitalisierungstechnik erwies sich somit als sinnvoller erster Schritt.

Austausch

ARBEITSORIENTIERTE DIGITALISIERUNG UND UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass Themen der Mitarbeitereinbindung und der arbeitsorientierten Umsetzung digitaler Technologien auch andere Unternehmen beschäftigen. Offene Fragen richteten sich auf die Förderung von Akzeptanz des digitalen Technikeinsatzes und auf die weniger beachteten „Nebenaufgaben“ bei der Auswahl, Einführung und Integration neuer Anwendungen in Arbeitsprozesse. Diese wurden zwischen den Teilnehmenden diskutiert. Der Austausch mit anderen Unternehmen wurde von den Teilnehmenden als gute Gelegenheit wahrgenommen, diese Fragen zu erörtern und die Transparenz der Herausforderungen für KMU in der digitalen Transformation zu erhöhen.

Neben dem Austausch hierzu ging es im letzten Teil der Lernreise darum, KMU weitere Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten für arbeitsorientierte Digitalisierungsvorhaben aufzuzeigen. Hierzu stellte die Wirtschaftsförderung Dortmund aktuelle Förderprogramme für Unternehmen zum Thema Digitalisierung vor (u.a. zu go-digital, Potentialberatung). Im Fokus der gegenwärtigen Nachfragen aus den Betrieben stehen vor allem Themen der Personalentwicklung und Qualifizierung bei arbeitsbezogenen Veränderungen durch Digitalisierungsprojekte.

Weiterführende Links:

Innovationslabor Logistik

Fraunhofer IML: White Paper Digitale Assistenzsysteme in der Logistik

Durchblick im Digitalisierungs-Dschungel

Zur Lernreise

Kompass Digitalisierung: Orientierungen für gute digitale Arbeit

ZUR LERNREISE

Virtual Reality in der Altenpflege-Fortbildung

Zur Lernreise

DuBay: Beteiligung im Change-Prozess

ZUR LERNREISE

JUTTA: Sensorisches Assistenzsystem für Pflege und Betreuung

Zur Lernreise
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